Strategie · Vermögensübersicht

Vermögensübersicht erstellen: Warum die meisten gar nicht wissen, was sie besitzen

Seit Anfang letzten Jahres habe ich intensives Tagesgeld-Hopping betrieben und mir immer die besten Aktionszinsen geholt — natürlich mit der Konsequenz, alle 3–4 Monate auch ein neues Konto eröffnet zu haben. Irgendwann konnte ich folgende simple Frage nicht mehr ad-hoc beantworten: Wie viel besitze ich eigentlich?

Ich weiß, was auf dem Girokonto liegt, das Depot kann ich direkt in der Broker-App nachschauen. Aber das Tagesgeld bei der zweiten Bank, der alte Riester-Vertrag, der Restwert vom Auto, das bisschen Krypto von 2021 – das habe ich mir immer wieder einzeln zusammengesucht. Oft haben Tagesgeldkonten mit dem besten Zins keine mobile App, man kann es also auch nicht direkt vom Handy aus nachschauen. Wenn zusätzlich noch die Konten des Partners dazu kommen, ist es oft mühselig alles zusammen zu suchen.

Da auch ein Hauskauf anstand, waren größere Summen nicht in langfristigen Anlagen, sondern eher schnell zugreifbar und risikoarm auf Tages- und Festgeld verteilt. Es ging also nicht nur um ein paar hundert Euro, sondern signifikante Beträge. Und insbesondere wenn so eine große Investition ansteht, war es wichtig für mich, die genauen Zahlen meines Vermögens zu kennen.

Das Problem ist nicht Faulheit – es ist Streuung

Wer heute spart und anlegt, hat sein Geld fast zwangsläufig an mehreren Orten:

Das normale Girokonto bei der Hausbank, ein Tages- oder Festgeldkonto dazu, meist ein Depot beim favorisierten Broker. Oder auch für die ältere Generation: ein Sparbuch bei der Regionalbank ihres Vertrauens. Hinzu kommen oft betriebliche Altersvorsorgen, eventuell auch noch von früheren Arbeitgebern. Ein Bausparvertrag und Sachwerte wie das eigene Auto — für manche vielleicht auch ein Oldtimer oder ein kleines Segelboot.

Jede einzelne Position ist für sich gut sichtbar, die Summe aber oft schwer zu überblicken. Und genau in dieser Lücke passiert etwas Teures: Geld liegt vergessen auf schlecht verzinsten Konten, alte Verträge laufen unbeachtet weiter, und niemand merkt es — weil niemand draufschaut.

Was eine Vermögensübersicht wirklich bringt

Ein Beispiel, das mir selbst passiert ist: 12.000 € lagen auf dem Girokonto, 30.000 € verzinst bei 2,1 % auf dem Tagesgeld. Zur selben Zeit wären 3,0 % über Aktionsangebote möglich gewesen. Hätte ich mein Geld optimal angelegt — also noch 5.000 € vom Girokonto aufs Tagesgeld geschoben und dort insgesamt 35.000 € zu 3,0 % verzinsen lassen — hätte ich heute 420 € mehr auf dem Konto. Dabei ohne Risiko und mit tagesaktuellem Zugriff auf das Geld. Da wären schon ein paar Monate Stromrechnung bezahlt.

Hier liegt der eigentliche Kernpunkt einer Vermögensübersicht: Sie ist kein Buchhaltungs-Hobby, das nur dem Selbstzweck dient. Sie macht sichtbar, wo dein Geld arbeitet, wo es herumliegt und wo Potenzial verschenkt wird.

Dein Renditepotenzial in Sekunden berechnen

Vermögensspiegel zeigt dir auf einen Blick, wie viel mehr dein Geld mit dem aktuellen Bestzins einbringen könnte — und wo dein Vermögen gerade wirklich steht.

Kostenlosen Account eröffnen

Drei Wege, eine Vermögensübersicht zu erstellen

1. Excel oder Google Sheets

Der Klassiker. Es kostet nichts, man hat volle Kontrolle und es ist beliebig anpassbar. Aber: Du musst die Tabelle selbst bauen, selbst pflegen und selbst daran denken. Für einige passend, für andere nicht. Die meisten Excel-Vermögensübersichten sterben nach dem dritten Update.

2. Banking-Apps mit Multibanking

Apps wie Finanzguru ziehen sich per Schnittstelle alle Kontostände zusammen. Das ist bequem — aber du gibst dafür Bankzugänge an einen Drittanbieter, und alles, was keine Bank ist (Auto, Immobilie, bAV, Bargeld), fällt durchs Raster. Die Übersicht bleibt also unvollständig.

3. Manuelle Vermögens-Tools

Der Mittelweg: Du trägst deine Werte selbst ein — einmal initial, danach nur bei Änderungen oder zu Stichtagen. Kein Bankzugriff, etwas manueller Aufwand, dafür wirklich alles drin — auch Sachwerte.

Worauf es bei der Pflege ankommt

Eine Vermögensübersicht, die täglich gepflegt werden will, wird manuell nicht gepflegt — und macht auch wenig Sinn. Realistisch ist ein Rhythmus von einmal im Monat oder einmal im Quartal. Ein fester Stichtag, an dem du die Stände aktualisierst: einmal durch alle Konten, entweder den alten Kontostand übernehmen oder den aktuellen eintragen, und den Gesamtvermögensstand festhalten. Auch nach größeren Ereignissen — einem Autokauf, einem Jobwechsel — macht es Sinn, den Stand neu zu erfassen.

Dabei entsteht nebenbei das eigentlich Interessante: der Vermögensverlauf. Nach drei, vier Stichtagen siehst du zum ersten Mal, ob dein Vermögen wächst, stagniert oder irgendwo leise schrumpft. Ob dein Geld tot herumliegt und von der Inflation aufgefressen wird — oder du das Potenzial ausnutzt und dein Geld für dich arbeiten lässt. Diese Kurve motiviert mehr als jeder Sparvorsatz.

Anfangen schlägt perfektionieren

Du brauchst keine perfekte Übersicht, sondern eine, die existiert. Ob Excel, App oder Tool — nimm den Weg, der für dich passt und den du realistisch durchhältst. Wenn du es ohne Bank-Anbindung und mit allen Vermögensarten (auch Auto, Immobilie, bAV) probieren willst: Vermögensspiegel ist in der Basis-Version kostenlos.

Keine Anlageberatung: Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie stellen keine Anlageberatung im Sinne des § 1 Abs. 1a KWG dar und ersetzen keine individuelle Beratung durch einen zugelassenen Finanzberater.